TV Tipp: Samstag, 25. November 2006, 18.05 Uhr in SAT.1
Pressemitteilung
SAT.1 Bayern Regional (im Rahmen des „Bayern-Journals“)
Lebensformen: Taub und gar nicht stumm
Autorin: Heike Springer
Moderator: Lui Knoll
Redaktion: Arnold Meyer-Lange
Studiogast: Wolfgang Hatzak, Leiter der Samuel-Heinicke-Realschule, München
Ungefähr jeder tausendste Deutsche ist gehörlos. Erst seit 2002 ist ihre Muttersprache, die Deutsche Gebärdensprache (DGS) als offizielle Sprache in Deutschland anerkannt. Ob Tanz, Theater oder Poesie – Gebärdensprache bildet die Grundlage der Gehörlosenkultur. So empfinden nicht wenige Gehörlose das sogenannte Cochlear Implantat (CI), geradezu als Bedrohung ihrer Gemeinschaft, ihrer Identität. Denn ein frühzeitig implantiertes CI kann nahezu jedes taube Neugeborene zu einem „hörenden“ machen.
Das evangelische Beratungsmagazin Lebensformen zeigt am letzten Samstag im November beide Wege. Damian, 22, ist mütterlicherseits, wie seine beiden Brüder Fabian, 23, und Kilian, 20, in der vierten Generation gehörlos. Damian und seine Brüder sind von Geburt an mit der Deutschen Gebärdensprache (DGS) aufgewachsen und beherrschen sie virtuos. Es ist eben – im umfassenden Sinne – ihre Muttersprache und die Lautsprache bleibt für sie Fremdsprache. Nur ein Vehikel, um in der Welt der Hörenden zurecht zu kommen und um sich die notwendigen Ausbildungschancen zu sichern. Ihre Identität beziehen sie aus der Gehörlosen-Kultur. Ein Implantat war und ist für diese Familie kein Thema.
Anna, 21, bekam als 8-Jährige – und damit eigentlich viel zu spät – ein Cochlear Implantat. Mit viel Energie – und trotz schlechter Prognosen – hat sie gelernt, Sprache zu verstehen. Die Psychologie-Studentin kann sich heute in beiden Welten bewegen und genießt die Welt der Gebärden wie die der Lautsprache.
Weil und wie Mentalität Sprache bildet, aber Sprache auch Mentalität, wird in dieser Ausgabe der Lebensformen augenfällig. Es ist außerdem eine Sendung nicht nur über Gehörlose, sondern auch für Gehörlose. Damit beschritt das Evangelische Fernsehen München neue Wege.
Im Anschluss an die Sendung beantworten Experten Zuschauerfragen am Servicetelefon von Lebensformen:
089-172 172
Kommentar:
Ich stehe mit H. Springer in Kontakt. Sie hatte mir vor einigen Monaten geschrieben und hatte einige Fragen zu meiner Person und meiner Entscheidung für ein CI. Leider stand ich damals unter Prüfungsstress und die Mitgliederversammlung des LKHD e.V. musste organisiert werden, sonst hätte ich auch unsere Lebensphilosophie vermitteln können. Ich bedauere das heute, dass ich die Gelegenheit damals nicht wahrnehmen konnte.
Es gibt nicht nur die beiden im Film geschilderten Wege, sondern viele andere, z. B. auch den Weg, der den Gehörlosen so in der Gemeinschaft der Hörenden integriert, dass dieser kein Bedürfnis hat, Anschluss an die “Gehörlosen-Kultur” zu gewinnen.
Diskussion:
Im Anschluss an den Film kann hier über dessen Aussagen diskutiert werden (durch das Verfassen von Kommentaren zu diesem Artikel), aber auch das LKHD-Forum wäre ein geeigneter Ort dafür.
1. Gudrun K. schreibt am 28. November 2006, 19:43:
Oh, das habe ich leider versäumt. Ich hoffe, es gibt mal eine Wiederholung.