Geboren am 09.04.1979 in Tübingen
Im September 1980 wurde die Hörschädigung erstmals diagnostiziert
Ich bin gehörlos auf die Welt gekommen. Erst im Alter von 15 Monaten wurde bei mir eine hochgradige an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit beiderseits (<120 Dezibel) festgestellt. So kam es, dass ich aus heutiger Sicht relativ spät im Alter von 16 Monaten meine Hörgeräte erhielt. Meinen Eltern wurde geraten, mich in ein einer Gehörlosenschule angegliedertes Heim zu geben, wo sich Fachleute mit meiner Erziehung beschäftigen würden. Sie gaben sich damit nicht zufrieden und forschten nach anderen Möglichkeiten der Förderung. So stießen sie dann auf das Therapiekonzept von Frau Schmid-Giovannini in der Schweiz, das meine Eltern überzeugte, ermöglichte es mir doch das Erlernen der Lautsprache. Wir zogen für vier Jahre in die Schweiz, wo ich gemeinsam mit meinem ebenfalls hochgradig schwerhörigen Bruder Hören und Sprechen lernte. Von Anfang an war ich immer mit hörenden Kindern zusammen und lernte so mit der Zeit, auf andere zuzugehen und Kontakte zu knüpfen. Das Tagebuch half mir in dieser Zeit enorm, das Erlebte aufzuarbeiten, verbesserte zudem meine Sprache und verhalf mir schon früh zum Lesen, früher als bei hörenden Kindern. Durch diesen Vorsprung konnte ich mich nach der Einschulung in eine Integrationsklasse der Montessorischule – zwischenzeitlich waren wir nach Deutschland zurückgekehrt – unter den Mitschülern behaupten. Die Grundschule schloss ich erfolgreich ab, so dass einer Einschulung ins Gymnasium nichts im Wege stand. 1999 legte ich das Abitur ab und schrieb mich noch im selben Jahr für das Studium der Humanmedizin ein. Mittlerweile bin ich im 10. Semester (6. klin. Semester). Mein Wunsch ist es, später einmal als Kinderarzt tätig zu sein.
Dass ich so weit gekommen bin, ist letztendlich vor allem der Versorgung mit einem Cochleaimplantat (kurz CI) vor drei Jahren zu verdanken. Durch das CI erschloss sich mir ein für mich enormes Hörspektrum; gleichzeitig wurde mir aber auch schmerzlich bewusst, wie vieles ich 17 Jahre lang nicht gehört hatte. Dass ich all dies nun hören kann, macht mich sehr glücklich. Ohne die erfolgreiche lautsprachliche Förderung hätte ich diese Freude nicht erlebt. Nur die erreichte Hör-Sprach-Kompetenz machte eine CI-Implantation noch in diesem Alter möglich.
Ich bin meinen Eltern heute sehr dankbar, dass sie den Weg der lautsprachlichen Förderung gegangen sind, so dass ich an allem teilhabe, ohne fremde Hilfen zurechtkomme und vor allem viele Freunde finde. Daher ist es mir sehr wichtig, dass hörgeschädigte Kinder heute unbedingt die Chance einer lautsprachlichen Erziehung erhalten, verbunden mit einer echten Integration in die Gesellschaft der Hörenden. Dies brachte mich 1999 auch auf die Idee, einen Verein zu gründen, um zu zeigen, dass auch gehörlose Kinder die Lautsprache erlernen können und was dies bewirken kann. Für den Verein bin ich im Feld der Öffentlichkeitsarbeit tätig, indem ich u.a. auf Kongressen und Tagungen das Anliegen unseres Vereins vorstelle und als Ansprechpartner für die Belange der lautsprachlich kommunizierenden Hörgeschädigten zur Verfügung stehe. Außerdem bin ich dabei, Vereinsangebote für Kinder und Jugendliche auf die Beine zu stellen. Hierbei bringe ich meine Erfahrungen als Betreuungskraft von diversen Kinderfreizeiten her ein. Das ist nämlich auch einer meiner bevorzugten Tätigkeitsgebiete.
Neben Vereinsarbeit und Studium bin ich im Rettungs- und Sanitätsdienst des DRK tätig, engagiere mich mit Leidenschaft in der Jugendarbeit und finde trotzdem immer wieder mal Zeit, um Ausflüge in die Alpen zu unternehmen. Mit Vorliebe gehe ich im Sommer und Herbst wandern, erklimme mit dem Mountainbike Höhenwege und im Winter gehe ich meiner Snowboardleidenschaft nach. Außerdem bin ich begeisterter Windsurfer und ziemlich reiselustig, so war ich zum Beispiel 1999 in Canada und 2005 zum dritten Mal in Georgien. Im Frühjahr 2004 ging ich den Camino de Santiago.
