Gudrun Kellermann

Geboren am 15.09.1974 in Erding

1975 wurde die Hörschädigung erstmals diagnostiziert

Als ich vier Monate alt war, befürchtete meine Mutter, dass ich hörgeschädigt sein könnte. Und wie es so oft war, glaubten mehrere Ärzte ihr nicht, bis endlich irgendwann eine Gehörlosigkeit von ca. 100 dB auf beiden Ohren diagnostiziert wurde. Meine Mutter begann nun, mit mir – ich war eineinhalb Jahre alt – mittels Literatur und einer engagierten Logopädin nach den Prinzipien von Schmid-Giovannini das Sprechen zu lernen. Zu meiner Babyzeit wurde noch davon ausgegangen, dass Hörgeräte kleine Hörreste zerstören könnten, so erhielt ich erst im Alter von 1,5 Jahren meine ersten Hörgeräte, welche Taschenhörgeräte waren. Im Alter von etwa zwei Jahren wurden diese Hörgeräte durch HdO-Geräte ersetzt.

Nach dem Besuch des Regelkindergartens und der Schwerhörigenvorschule wurde ich im Alter von sieben Jahren in die Schwerhörigenschule München eingeschult. Aufgrund guter schulischer Leistungen gab meine Mutter mich – gegen den Rat sämtlicher Therapeuten und Hörgeschädigtenpädagogen – nach Ablauf des ersten Schuljahres in die zweite Klasse der Regelschule in unserem Ort. Nach der Grundschulzeit wechselte ich in das Regelgymnasium in Erding, wo ich bis zu meinem Abitur im Juli 1994 blieb.
Der Besuch der Regelschulen funktionierte so gut, weil meine Lehrer/innen und Schulkamerad/innen sich sehr kooperativ zeigten, ich eine Mikroport-Anlage verwendete, einen Regelschulbegleitenden Dienst hatte und bereit war, zuhause Nichtverstandenes aufzuarbeiten.

November 1994 begann ich mit dem Studium des Lehramts der Schwerhörigenpädagogik, das mir viel Spaß machte und einige sehr gute Freundschaften ermöglichte. Dezember 1999 machte ich nach zehn Semestern Studium das Erste Staatsexamen. Gleich daraufhin begann ich das Studium des Magisters, das ich im Sommer 2000 abschloss. Inzwischen bin ich Pädagogin, bin aber immer (noch) am Lernen.

Für den Verein LKHD wünsche ich mir, dass die auditiv-verbale Methode anerkannt wird und dass wir erwachsenen Hörgeschädigten unsere eigene Identität leben dürfen. Zu oft müssen wir uns sagen lassen, “zwischen den Stühlen” zu sitzen, uns unser Leben in der hörenden Welt “schön zu reden” und nicht glücklich sein zu können. Dagegen wehre ich mich!

5 Jahre lang war ich mit Freude Redakteurin der Vereinszeitung LKHD Nachrichten und aktiv im Vorstand. Mittlerweile bin ich aus dem Vorstand ausgetreten, aber dem LKHD bleibe ich weiterhin treu und ich werde ihn aus dem Hintergrund unterstützen.

Zuletzt aktualisiert: 23.05.2009